Friday 18. May 2012
bassena

Der Kunstmarkt

 

Der KUNSTMARKT involviert in einer kommunalen Großwohnanlage Wiens die BewohnerInnen ihres Stadtteils und KünstlerInnen von „außen“ in kreative Interaktionen. Die KünstlerInnen gehen mit Respekt vor den Lebenslagen der Menschen in deren Wohnumfeld und treten dort mit ihren künstlerischen Ausdrucksformen in Kontakt mit den BewohnerInnen.

Parallel dazu können die von SchöpfwerkerInnen und KünstlerInnen gespendeten Bilder, Fotos oder Multiples, die in einer Art Galerie gleichberechtigt präsentiert sind, von den BesucherInnen ausgesucht und gratis mitgenommen werden.

 

 

Programm 2007

 

Die Bassena hat am 20. Oktober 2007 in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreich und der Kunst-Drogerie den zweiten Kunstmarkt abseits von Kommerz und Geld in Wien organisiert.

 

Über 200 BesucherInnen strömten aus ganz Wien aufs Schöpfwerk und wurden in das Geschehen involviert. Die von namhaften und Alltags-KünstlerInnen (Linda Bilda, Carla Cruz, Veronika Dirnhofer, Hilde Fuchs, Nina Höchtl, LILA, Karin Sulimma, trans/gender, Mounty R. P. Zentara u.v.a.) gestifteten Werke konnten von den BesucherInnen einfach von der Wand ab- und ohne Bezahlung mitgenommen werden. Pro Person ein Kunstwerk. Über 100 Werke wurden bis zum Abend aus der Bassena getragen.

 

Parallel dazu installierte die KUNST-DROGERIE im öffentlichen Raum am Schöpfwerk die „Insel“, eine mit Atlantikbrandung beschallte in weißes Plastik eingewickeltes Konstruktion aus Matzatzen, das den Grundrissen der Wohnhausanlage Am Schöpfwerk nachgebildet war.

 

 

Provokante Fragen stellten die GirlsOnHorses mit ihrer grellgelben Plakataktion am Nordring des Schöpfwerks: „Wem, wenn nicht euch, gehört das Schöpfwerk?“ „Liebt Rene Rashid?“ Mit ‚Wir haben fragen, was habt ihr?’ evozierten GirlsOnHorses konkrete Kommunikation zwischen den BewohnerInnen. Das questionnarie auf grellfarbenen Poster in der Siedlung plakatiert, wurde bereits nach wenigen Stunden anonym beantwortet.

 

Ein musikalischer Höhepunkt des Kunstmarktes war der ‘Social Music Kiosk’ von Brandon LaBelle, offen als Treffpunkt, als Mischpult, als LautsprecherIn zur Verstärkung der von den BewohnerInnen gesammelten und von DJ Ulla Ebner gemixter Musik – der Kiosk als Wurzlitzer. Darüber hinaus wurde mit TeilnehmerInnen gearbeitet, die während des Kunstmarktes Schöpfwerk-Sound sammelten, der in die Musikpräsentation hineingemixt wurde. Ende November wurde das akustische Schöpfwerk-Kunstwerk vom ORF im Kunstradio auf Ö1 ausgestrahlt.

 

 

Das Label ANRONVIAGDPIOVSA/2007 geht auf die Grazer KünstlerInnen DIVANOVA (Daniela Jauk) und (Erwin/Stefanie) POSARNIG alias Pliant zurück. Mit ICH REPEKTIERE DICH entwickelten sie für den Kunstmarkt ein Multiple, das entsprechend der BewohnerInnenanzahl in einer Auflage von 4950 Stück in Sozialräumen, Cafes, Stiegenhäusern und zur freien Entnahme aufgelegt und verteilt wurde.

 

 

Anna Witt beschäftigt sich mit dem alltäglichen Motiv von Verhaftungen auf den Straßen von Los Angeles, das auch ein klassisches Motiv der dort ansässigen Hollywood Filmproduktion darstellt. Für das 2006 in Venice Beach, Kalifornien, entwickelte Video arbeitete sie mit PassantInnen, die sich mit dem polizeilichen Kommando „Get down there!“ auf die Motorhaube eines nahe liegenden Autos niederdrückten. Schöpfwerker Jugendliche stellten in den Stiegenhäusern der Siedlung „Get down there!“ Bilder mit Anna Witt nach.

 

 

Im Spannungsfeld zwischen Landart und Plantguerilla realisiert kampolerta, eine Gruppe von LandschaftsarchitektInnen, künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum. Sie hinterfragen gewohnte Verhaltensmuster und evozieren neue Sichtweisen auf den öffentlichen Raum. Der Freiraum wird zum Experimentierfeld. Ihre Aktionen verwundern, erfreuen und ermutigen zur individuellen Raumaneignung. Ihr dreiteiliger Kunstmarktbeitrag reichte von einer Dokumentation ihrer bisherigen Aktionen über eine Installation, die den Kunstmarkt sichtbar macht. Nutzt den Freiraum!

 

 

Die Samba-Bateria des globalisierungskritischen Netzwerks Attac war beim Kunstmarkt wie immer lautstark unterwegs, diesmal um die Schöpfwerker Öffentlichkeit zu erobern. Um Lust zu machen auf Auseinandersetzung und kritisches Denken. Aber auch darauf, eine andere Welt zu leben. SambAttac spielt für eine offene, soziale und menschliche Welt, gegen eine kalte Welt der Konzerne und Armut.

 

 

Was wir sagen, wenn niemand zuhört. Während einer Führung zu ausgewählten inschriftlichen Botschaften (Text-Graffiti) im Schöpfwerk interpretierte der Schriftsteller und Graffiti-Forscher Thomas Northoff Symbolik und Bedeutung dieser oftmals angefeindeten Art von Kommunikation.

 

Ferry Rodinger lebt seit 1. April 1979 am Schöpfwerk und erfüllt dort die nicht wegzudenkende Funktion des „Fremdenführers“. Seine Guided Tour „Mein Schöpfwerk“ ist legendär, für eine Stunde verschaffte er den InteressentInnen einen selbstbestimmten Durchblick zur Anlage.

 

 

René H., ein junger, ehemaliger Schöpfwerker, lud die BesucherInnen des Kunstmarkts in sein Universum goldener Illusionen ein, die er in einem dunklen Raum schweben ließ. Zusehende konnten mit einfachen Mitteln in das Kunstwerk eingreifen, die Flugbahnen der kurzlebigen Objekte beeinflussen, verändern und in neue Bahnen lenken.

 

Die aus Berlin stammende indie-pop Band Dominique formierte sich 1999 als kollektives Musikprojekt mit dem Künstler und Kritiker Dominic Eichler, dem Produzenten Richard Davis, dem Konzeptkünstler Dave Allen und der Malerin Antje Majewski. Der ursprünglichen Gruppe gehörten auch noch viele Gäste aus der Berliner Kunst- und Offszene an. Seither wandelte sich Dominique mehr zu einer richtigen Band als zu einem Kunstprojekt und besteht im Moment aus Ben Clark, Richard Davis, Dominic Eichler, Olivier Simon, Anna Stark und Ninon Liotet. Typisch für Dominiques Musik sind vielschichtige und reiche Einflüsse zusammengetragen in Form akustischen, kollektiven Songschreibens und das Arrangieren queerer gesprochener Texte. Im Jänner 2008 werden sie ihr drittes Album „More Love Now“ herausbringen. Für den Kunstmarkt Am Schöpfwerk stellten sie ihre Musikvideos 2002-2006 zur Verfügung. Österreichische Premiere!

 

 

Der Kunstmarkt ist eine Kooperation zwischen

VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLERINNEN ÖSTERREICHS
Anka Luger, Rudolfine Lackner
www.vbkoe.org

IM-PULS DROGERIE
Franz Brunner, Markus Hiesleitner
www.im-puls-drogerie.at

und dem Stadtteilzentrum Bassena.

Die aktuelle Ausgabe der
Stadtteilzeitung zum download

Video zum Thema

Gemeinwesenarbeit

(Trailer und

Bestellmöglichkeit)

http://www.bassena.at/