Mein Freund der Ball

Leitung: Michael Moritz, Schauspieler und Fußballer
In Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Meidling. Unterstützt wird der Gaberl-Workshop von der Bezirksvorstehung Meidling und der Meidlinger SPÖ. Obstsäfte von
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Gestaltungspädagogik in der Sozialen Arbeit mit Hilfe von Kunstgaberln und Performance
Über einen Zeitraum von sechs Wochen ist Michael Moritz mit unterschiedlichen Gruppen aus verschiedenen Bezirken, Parks, Wohnräumen mittels Kunstgaberln mit Jugendlichen in Dialog getreten, um mit ihnen gemeinsam eine choreographische Präsentation mit dem Fußball zu erarbeiten.
Ziel
Den Jugendlichen soll durch das spaßige aber disziplinierte Spiel mit dem Ball eine mehrfach förderliche Alternative zum Fetzen aus Langeweile gegeben werden, gleichzeitig kann den Anwohnern, denen der Käfiglärm Anlass zur Beschwerde ist, gezeigt werden, dass das Spiel mit dem Ball durchaus aggressionsfrei ablaufen kann und eine Möglichkeit zu Dialog und kreativer und sozialer Entwicklung bietet.
Inhalt
Das Kunstgaberln hat bei den Jugendlichen einen hohen Stellenwert, da es von ihren Helden der Profiligen sowohl auf dem Feld als auch in den Werbe-Spots zelebriert wird und somit Identifikationscharakter besitzt. Wer den Trick kann, identifiziert sich noch mehr mit den Stärken des Hero und sammelt gleichzeitig Punkte bei den Freunden, stachelt diese im besten Sinne an, ebenfalls einen Trick einzuüben. Dadurch entsteht eine spielerische Konkurrenz, die ihren eigenen Dynamo entwickeln und bis hin zu einem Dialog ohne Sprachbarrieren führen kann.
Das Gaberln an sich ist erst einmal gar nicht so leicht. Es fordert in allererster Linie Konzentration und Willenskraft. Die mangelnde Konzentrationsfähigkeit ist ein Fakt, der heute in Schulen am häufigsten beklagt wird. Hier liegt die Chance, Kindern und Jugendlichen ein cooles Werkzeug an die Hand, bzw. den Fuß zu geben, womit sie diese Grundpfeiler des Lernens mit Lust üben können. Der gelungene Trick ist unmittelbares Erfolgserlebnis, das bei wiederholtem Gelingen Futter für das Selbstwertgefühl bedeutet. Dies ist die Basis, um Frust in Lust umzuwandeln.
Wer in der Lage ist, around the world ( ein Trick, bei dem der Fuß einmal um den in der Luft schwebenden Ball geführt wird ) zu zelebrieren, der ist ebenso fähig, seine Konzentration und Willenskraft für eine Mathematik-Aufgabe aufzubringen. Dieser Transfer ist das große Ziel hinter dem Ziel. Aber auch schon Gelerntes innerhalb einer choreographischen Darbietung zu präsentieren verdient großen Respekt, den es sich zu erarbeiten lohnt. Dabei bleibt den Jugendlichen trotz vorgegebenen Bewegungsabläufen die Freiheit eigene Kreationen zu erfinden und sich individuell körperlich auszudrücken. Durch die Gruppenarbeit, wird ein jeder auch gefordert, mit den eigenen Stärken das Team zu unterstützen und die Schwächen anderer zu akzeptieren und mitzutragen, da nur der Fluss der gemeinsamen Präsentation zum Ziel führt.
Methoden
Da sich das Projekt um den Ball dreht, stand vor allem der spielerische Umgang mit dem Ball im Zentrum. Bewegung, Koordination, Rhythmus, Kondition und Konzentration wurden durch Spiele mit dem Ball trainiert. Es wurde sowohl solistisch als auch in Gruppen zusammengearbeitet, der Wert auf Dialog steht im Vordergrund. Den Ball abgeben, wie wir die Metapher gerne in der Kommunikation verwenden, trifft hier im doppelten Sinne zu. Im Wechsel zu den reinen Gaberl-Etuden gab es auch Matches, die den Jugendlichen die Möglichkeit boten, zeigen zu können, was sie beim richtigen Fußball drauf haben. Dies war vor allem für den gruppendynamischen Prozess von Wichtigkeit.
Gesellschaftlicher Kontext
Der Workshop fand im Vorfeld der Fußball-EM08 statt. Fußball wird von allen Seiten mit großem medialem Aufwand als Konsumgut noch intensiver genutzt als sonst schon üblich. Aber gerade dies war die Möglichkeit, dem Spiel mit dem Ball in einer anderen Variante zu begegnen, fern von der Marken-und Eventwelt, die uns zum chronischen Passiv-Konsum anhält. Nicht die Playstation ist es, die den Trick für uns macht, sondern unsere eigenen Fähigkeiten, die wir oft derart verkümmern lassen, nicht das NIKE-Shirt, das PUMA-Trikot, die Uhr von ADIDAS – nein, die einfache und doch fordernde Auseinandersetzung mit einem abgewetzten Ball, der uns selbst in Bewegung zwingt, ringen unserem Hirn die Ausschüttung der ersehnten Dopamine ab! Das Kunstgaberln ist ein trojanisches Pferd, das auf der Welle der Medien in die Herzen und Hirne der unter Dauerbeschuss stehenden Jugendlichen eindringen kann und die Möglichkeit besitzt, dem einen oder anderen Impulse zu geben, die ihn möglicherweise künftig aufmerksamer und wacher werden lassen.
Michael Moritz

