INTERNATIONAL FEDERATION OF SOCIAL WORKERS (IFSW)
DEFINITION OF SOCIAL WORK
Executive Committee Recommended Final Draft
Diese internationale Definition der Profession sozialer Arbeit ersetzt die IFSW-Definition von 1982. Sie wurde zwischen PraktikerInnen bzw. Berufsverbänden aus rund 70 Nationen über drei Jahre ausgehandelt. Es versteht sich, dass Soziale Arbeit im 21. Jahrhundert dynamisch ist und sich weiter entwickeln wird, so dass es deshalb keine umfassende Definition geben kann.
Definition
Soziale Arbeit ist eine Profession, die sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und Befreiung von Menschen fördert, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. Indem sie sich auf Theorien menschlichen Verhaltens sowie sozialer Systeme als Erklärungsbasis stützt, interveniert Soziale Arbeit im Schnittpunkt zwischen Individuum und Umwelt/Gesellschaft. Dabei sind die Prinzipien der Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit für die Soziale Arbeit von fundamentaler Bedeutung.
Kommentar
Soziale Arbeit bezieht sich in ihren vielen Formen auf die Beziehungen (transactions) zwischen Menschen und ihrer Umwelt. Ihr Ziel ist, die Menschen zu befähigen, ihr volles Potential zu entwickeln, ihr Leben zu bereichern und sozialen Disfunktionen vorzubeugen.
Professionelle Soziale Arbeit ist auf die Lösung sozialer Probleme und auf sozialen Wandel fokussiert. In diesem Sinn sind SozialarbeiterInnen AkteurInnen/FörderInnen (agents) sozialen Wandels sowohl in der Gesellschaft als auch im Leben von Individuen, Familien und Gemeinwesen. Soziale Arbeit ist ein System von Werten, Theorien und Praxis.
Werte
Professionelle Soziale Arbeit entstand auf dem Hintergrund humanitärer und demokratischer Ideale; ihre Werte gründen auf Respekt für die Gleichheit (equality), den Wert und die Würde aller Menschen. Seit ihren Anfängen vor über einem Jahrhundert war professionelle Soziale Arbeit auf die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und die Entwicklung menschlicher Fähigkeiten/Potenziale ausgerichtet. Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit bilden die Basis für Motivation und Legitimation Sozialer Aktion. In Solidarität mit den Benachteiligten strebt die Profession darnach, Armut zu lindern und verletzbare (vulnerable) wie unterdrückte Menschen/Gruppen zu befreien, um ihre soziale Integration zu erwirken. Die Werte der Sozialen Arbeit sind in den nationalen und internationalen Berufskodizes (Code of Ethics) festgehalten.
Theorie
Soziale Arbeit gründet ihre professionellen Methoden auf einen empirisch überprüften Fundus an systematisiertem Wissen, der das (revidierbare) Produkt von Forschung und Praxisevaluation ist (a systemic body of evidence-based knwoledge derived from research and practice evaluation). Dies schließt lokales, kontextspezifisches Wissen mit ein. Sie zieht die Komplexität von Interaktionen zwischen Menschen und ihrer Umwelt zweifach in Betracht: als Einfluss der Umwelt auf die Menschen sowie als Fähigkeit von Menschen, diese Einflüsse zu verändern, mit eingeschlossen die Veränderung von bio-psycho-sozialen Faktoren und menschlicher Entwicklung sowie sozialer Systeme, um komplexe Situationen zu analysieren und individuelle, organsiationelle, soziale und kulturelle Veränderungen zu ermöglichen.
Praxis
Soziale Arbeit ist mit den Barrieren, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft konfrontiert. Sie antwortet sowohl auf Krisen und Notsituationen als auch auf die individuellen und sozialen Alltagsprobleme der Menschen. Soziale Arbeit benutzt hierzu eine große Bandbreite von Kompetenzen, Techniken und Aktivitäten, die mit ihrem systemischen Fokus auf Individuen und ihre Umwelt konsistent sind (holistic bedeutet hier systematisch, d.h. im Sinne der Interaktion zwischen Individuen im Rahmen sozialer Systeme!). Die Interventionen reichen von psychosozialen Prozessen, die sich vor allem auf Individuen beziehen, bis zum Engagement für eine Politik des Sozialen (social policy), sozialer Planung und Entwicklung. Sie sind im genaueren klinische (oder interpersonelle) Soziale Arbeit, Soziale Arbeit mit Gruppen, sozialpädagogische Arbeit, Arbeit mit Familien sowie Bemühungen, die Menschen zu unterstützen, damit sie die ihnen zustehenden Dienstleistungen und Ressourcen des Gemeinwesens für sich erschließen können. Interventionen bzw. Methoden beinhalten auch Sozialmanagement (agency administration), Gemeinwesenarbeit sowie das Engagement in sozialer und politischer Aktion, um Einfluss auf "Social Policy-Konzeptionen" sowie auf die ökonomische Entwicklung zu nehmen. Die systemische Ausrichtung sozialer Arbeit ist universell, doch die Prioritäten der Praxis Sozialer Arbeit variieren von Land zu Land, ferner auch zeitlich und zwar in Abhängigkeit von kulturellen, historischen und sozioökonomischen Bedingungen.
Präsentiert an der "Joint International Conference of IASSW und IFS in Montréal/Québec, Canada, August 2000: Promoting Equitable Societies in a Global Economy; Social Work in the 21st Century
Übersetzung Silvia Staub-Bernasconi v. 7.10.2000.